Montag, 11. September 2006

Regentropfen

Regentropfen warm und groß
Machen aus der Nacht sich los,
Regentropfen warm und groß.
Da die Nacht steht ganz in Glanz,
Einen Augenblick da stands,
Ein Geisterantlitz, da entschwands.

Da, ein Blitz hat Licht gemacht,
Ganz in Glanz da stand die Nacht,
Da, ein Blitz hat Licht gemacht.

Helle wird im Lied das Leid,
Leuchtet auf wie ein Geschmeid,
Leuchtend wird im Lied das Leid.

Und da steht es in der Nacht,
Still in seiner Geisterpracht
Steht sein Antlitz in der Nacht.

Liedertropfen warm und groß
Lösen aus dem Leid sich los,
Liedertropfen warm und groß.


Peter Hille
* 11. September 1854 in Erwitzen, Westfalen; † 7. Mai 1904 in Berlin

Auch er, wie so mancher Dichter seiner Zeit, ein "Hungerleider". Mehr dazu, lesen Sie bei Gutenberg.Spiegel.de und bei Wikipedia.

Mittwoch, 6. September 2006

Das Hemd des Glücklichen

Ein König lag gefährlich krank,
und gab sich selbst verloren:
Ihm half kein Pulver und kein Trank
der trefflichsten Doktoren.
Ihr großer Kriegsrat vor dem Bett
war seinem Fieber ein Gespött.

Die Opern wurden eingestellt,
es ruhten alle Geigen;
man sah des Hofes feine Welt
viel Schmerz mit Anstand zeigen,
und sie verschrieb…


August Friedrich Ernst Langbein

* 6. September 1757 auf Schloss Klippenstein in Radeberg; † 2. Januar 1835 in Berlin

Gutenberg.Spiegel.de
und Wikipedia erhellen die Biographie des humorvollen Dichters.

Samstag, 2. September 2006

Abend

Komm, Liebchen, es neigen
Die Wälder sich dir;
Und alles mit Schweigen
Erwartet dich hier.

Der Himmel, ich bitte,
Von Wölkchen wie leer!
Der Mond in der Mitte,
Die Sternlein umher!

Der Himmel im glatten
Umdämmerten Quell!
Dies Plätzchen im Schatten,
Dies andre so hell!

Im Schatten, der Liebe
Dich lockendes Glück,
Dir flüsternd: es bliebe
Noch vieles zurück.

Es blieben der süßen
Geheimnisse viel;
So festes Umschließen;
So wonniges Spiel!

Da rauscht es! Da wanken
Auf jeglichem Baum
Die Äste, da schwanken
Die Vögel im Traum.

Dies Wanken, dies Zittern
Der Blätter im Teich -
O Liebe, dein Wittern!
O Liebe, dein Reich!


Johann Georg Jacobi

* 2. September 1740 auf Gut Pempelfort bei Düsseldorf; † 4. Januar 1814 in Freiburg im Breisgau

Lesen Sie die ausführliche Biographie bei wikipedia.de oder weitere Gedichte bei Gutenberg.Spiegel.de.

Freitag, 1. September 2006

Seufzer

Die Nachtigall
Singt überall
Auf grünen Reisen
Die besten Weisen,
Daß ringsum Wald
Und Ufer schallt.

Manch junges Paar
Geht dort, wo klar
Das Bächlein rauschet,
Und steht, und lauschet
Mit frohem Sinn
Der Sängerin.

Ich höre bang'
Im düstern Gang
Der Nachtigallen
Gesänge schallen;
Denn ach! allein
Irr' ich im Hain.


Ludwig Heinrich Christoph Hölty

* 21. Dezember 1748 in Mariensee (heute Ortsteil von Neustadt am Rübenberge) bei Hannover, † 1. September 1776 in Hannover

Ein vielfach "vertonter" Dichter. Zu seinen bekanntesten Gedichten gehört: Üb immer Treu und Redlichkeit …

Dazu lesen Sie mehr bei Gutenberg.Spiegel.de und bei Wikipedia.

Donnerstag, 31. August 2006

Nebel und Regen

Herbstende, Winter, Frühlingsschlamm und Regen,
Euch stillen Zeiten schlägt mein Herz entgegen,
Der kalte Dämmer eures Nebelgraus
Umhüllt wie Bahrtuch mich und Totenhaus.

Wenn eisige Winde durch die Ebnen fegen,
Die Wetterfahnen kreischend sich bewegen,
Dann breitet, wilder als im Lenzgebraus,
Die Seele ihren Rabenfittich aus.

Denn nichts ist süsser für ein Herz voll Trauer,
Auf das der frostige Reif sich niedersenkt,
Ihr bleichen Himmel, unsrem Land geschenkt,

Als eurer ewigen Dämmrung fahler Schauer.
Wenn nicht zu zwein in mondlos stiller Nacht
Wir Brust an Brust den Schmerz zur Ruh gebracht.



Charles-Pierre Baudelaire

* 9. April 1821 in Paris; † 31. August 1867 in Paris

In Wikipedia und Gutenberg.Spiegel.de können Sie mehr über den Dichter lesen.

Dienstag, 29. August 2006

Deine Hände

Ich fühle deine Hände im Haus,
Sie gehen wie Blut durch alle Wände
Und teilen ihre Wärme aus.

Sie bereiten mitten im Alltagslärme
Mir täglich einen Hochzeitsschmaus,
Verwandeln Sorgen in Singvögelschwärme.

Wie Sonnenstrahlen auf Erden wandeln
Und zaubern aus Staub einen Blumenstrauß,
So müssen sie immer feurig handeln.

Ich fühle deine geliebten Hände,
Sie geben ihren Puls dem Haus
Und gehen wie Wärme durch meine Wände.

Max Dauthendey

* 25. Juli 1867 in Würzburg; † 29. August 1918 in Malang auf Java

Wie immer, finden Sie mehr über den Dichter bei Gutenberg.Spiegel.de und bei Wikipedia.

Montag, 28. August 2006

Goethe

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.


Johann Wolfgang von Goethe

* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar; gebürtig Johann Wolfgang Goethe, auch Göthe

Über diesen Dichter, einer der herausragendsten der deutschen Sprache, wurde schon viel geschrieben. Lesen Sie dazu in Gutenberg.Spiegel.de und Wikipedia und auch hier.

Freitag, 25. August 2006

In Mitte der Ewigkeit

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wegen schweben
und schwinden wir.
Und messen unsre trägen Tritte
nach Raum und Zeit;
und sind (und wissen's nicht) in Mitte
der Ewigkeit . . .


Johann Gottfried Herder

25. August 1744 in Mohrungen (Ostpreußen), heute: Morag; † 18. Dezember 1803 in Weimar

Über Herder können Sie noch mehr bei Gutenberg.Spiegel.de und bei Wikipedia lesen.

Dienstag, 22. August 2006

Nebel

Du, trüber Nebel, hüllest mir
Das Tal mit seinem Fluß,
Den Berg mit seinem Waldrevier
Und jeden Sonnengruß,
Nimm fort in deine graue Nacht
Die Erde weit und breit!
Nimm fort, was mich so traurig macht,
Auch die Vergangenheit!


Nikolaus Lenau

eigentlich Nikolaus Franz Niembsch (seit 1820) Edler von Strehlenau

* 13. August 1802 in Csatád im Banat; † 22. August 1850 in Oberdöbling, das heute zu Wien gehört

Mehr über den Dichter erfahren Sie bei Gutenberg.Spiegel.de und bei Wikipedia.

Montag, 21. August 2006

Morgentau

Wir wollten mit Kosen und Lieben
Genießen der köstlichen Nacht.
Wo sind doch die Stunden geblieben?
Es ist ja der Hahn schon erwacht.

Die Sonne, die bringt viel Leiden,
Es weinet die scheidende Nacht;
Ich also muß weinen und scheiden,
Es ist ja die Welt schon erwacht.

Ich wollt', es gäb' keine Sonne,
Als eben dein Auge so klar,
Wir weilten in Tag und in Wonne,
Und schliefe die Welt immerdar.


Adelbert von Chamisso

(eigentlich: Louis Charles Adélaïde de Chamisso de Boncourt)


* 30. Januar 1781 auf Schloss Boncourt bei Châlons-en-Champagne, Frankreich; † 21. August 1838 in Berlin

Mehr über den Dichter, der die deutsche Sprache hervorragend beherrschte, gibt es bei Gutenberg.Spiegel.de oder bei Wikipedia zu lesen.
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